Begegnungen ermöglichen, Grenzen überwinden und Vielfalt als Bereicherung erleben: Dafür steht die Interkulturelle Woche. Wie lebendig dieser Gedanke werden kann, zeigte sich beim „Wohnzimmer der Kulturen“ am Sonntag, 4. Oktober, im Evangelischen Gemeindehaus der Petrusgemeinde in Wiesloch.
Bunte Wohnlandschaft
Für einen Nachmittag verwandelte sich der Gemeindesaal in eine bunte Wohnlandschaft. Menschen unterschiedlicher Herkunft hatten kleine Wohnzimmer gestaltet und damit ein Stück ihrer Heimat nach Wiesloch gebracht. Vertreten waren dieses Jahr die Länder Syrien, Kamerun, Gambia, Sri Lanka, die Ukraine, Afghanistan und Deutschland. Traditionelle Kleidung, Kunst, landestypische Spiele, Bilder und persönliche Geschichten ermöglichten Einblicke in unterschiedliche Kulturen und Lebenswelten. Doch das eigentlich Besondere an diesem Nachmittag waren nicht die Unterschiede oder die schönen Ausstellungen, sondern das, was die Menschen miteinander verband. In einer bemerkenswert herzlichen und friedlichen Atmosphäre besuchten sich die Anwesenden gegenseitig in den verschiedenen Wohnzimmern. Alle Interessierten waren eingeladen, kostenlos Platz zu nehmen, miteinander ins Gespräch zu kommen, gemeinsam zu spielen oder die mitgebrachten Köstlichkeiten zu genießen. Ganz ungezwungen entstanden Begegnungen zwischen Menschen, die sich im Alltag vielleicht nie kennengelernt hätten.
Wo Fremde zu Gästen werden
In einer Zeit, in der gesellschaftliche Debatten häufig von Misstrauen, Vorurteilen und Abgrenzung geprägt sind, setzte dieser Nachmittag ein Zeichen für Offenheit und Zusammenhalt. Unterschiedliche Sprachen, Kulturen und Lebensgeschichten fanden ganz selbstverständlich unter einem Dach Platz. Das „Wohnzimmer der Kulturen“ machte erlebbar, wie viel entstehen kann, wenn Menschen einander mit Neugier statt mit Vorbehalten begegnen. Was im gesellschaftlichen Miteinander oft schwierig erscheint, gelang hier auf ganz einfache Weise: Menschen unterschiedlicher Herkunft saßen friedlich beieinander, lachten, erzählten, teilten Essen, Zeit und Geschichten miteinander. Niemand musste gleicher Herkunft sein, damit Gemeinschaft entstehen konnte.
Friedliches Zusammenleben
Im deutschen Wohnzimmer wurde bei Kaffee und Apfelkuchen „Mensch Ärgere Dich Nicht“ gespielt.
So wurde das „Wohnzimmer der Kulturen“ für einige Stunden zu einem kleinen Sinnbild friedlichen Zusammenlebens. Einem Miteinander, in dem Unterschiede nicht trennen müssen, sondern neue Begegnungen und gegenseitige Bereicherung ermöglichen. Am Ende blieb neben der Erinnerung an einen gelungenen Nachmittag auch der Wunsch, diese besondere Form der Begegnung im kommenden Jahr fortzusetzen. Schon jetzt sind weitere Menschen herzlich eingeladen, sich mit einem eigenen Wohnzimmer zu beteiligen oder als Gäste vorbeizukommen und neue Kulturen kennenzulernen. Denn manchmal braucht es gar nicht viel, um Menschen einander näherzubringen: ein offenes Wohnzimmer, einen freien Platz und die Bereitschaft, einander willkommen zu heißen.
Organisiert wurde die Veranstaltung federführend von Svenja Fehrmann und Natascha Evseev (Integrationsmanagement Wiesloch, IB Süd), Pia Rübenacker-Back (Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte, Caritas Rhein-Neckar), Lilli Litau (KDFB, Diakonie Rhein-Neckar-Kreis), sowie dem Netzwerk Asyl und der Gastgeberin, der evangelischen Petrusgemeinde.